Kleines Zughunde-ABC

Mit dem Wagen durchs Herbstlaub

 

Diese Zusammenstellung soll einen kleinen Überblick über die Zugarbeit am Wagen geben. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Wagenziehen

Zugarbeit ist eine sinnvolle Beschäftigung für große Hunde. Besonders die Schweizer Sennenhunde haben diese Tätigkeit im Blut, sie wurden in der Schweiz als Käsereihunde eingesetzt und zogen (teils vollkommen selbständig) die schweren Milchkarren. Als Pferd des armen Mannes machten sich Zughunde diverser Rassen und Mischungen auch in Deutschland nützlich und brachten beispielsweise Waren zum Markt. In der schweizer Armee dienten Hunde zum Transport von Munition, Verpflegung und Verwundeten. Allen diesen Hunden war gemein, daß sie regelmäßig arbeiten mußten und große Lasten zogen.

Unsere heutigen Haus- und Familienhunde genießen ein weitaus fauleres Leben. Trotz regelmäßiger Spaziergänge sind sie längst nicht mehr so trainiert, wie ein Zughund, der täglich weite Strecken vor dem Wagen zurücklegte. Deshalb sollten Sie die Belastung (Dauer, Strecke, Gewicht) langsam steigern und Ihrem Hund nicht sofort Höchstleistungen abverlangen. Oder gehen Sie untrainiert zum (Halb-)Marathon?

Wagenziehen ist eine tolle Beschäftigung, die dem Hund eigenen Entscheidungsspielraum gibt und den Zusammenhalt des Mensch-Hund-Teams fördert!

 

Voraussetzungen

Bevor Sie mit der Zugarbeit beginnen sollte Ihr Hund ein Mindestalter von 18-24 Monaten erreicht haben. Lassen Sie Ihren Hund „durchchecken“, dazu gehört zum einen das von den Zuchtverbänden ohnehin geforderte Röntgen der Gelenke (Hüfte, Ellbogen, Schulter) und zum anderen ein Blick auf Herz und Kreislauf. Sollte Ihr Hund körperliche Einschränkungen haben besprechen Sie mit der Tierärztin/ dem Tierarzt, welche Belastung möglich ist. Viele Hunde mit Gelenkserkrankungen können – sofern sie schmerzfrei sind und nicht überbelastet werden – sehr wohl einen Wagen ziehen. Im Falle von HD kann dies sogar positiv sein, da der Muskelaufbau begünstigt wird. Das letzte Wort muß in diesen Fällen immer eine Tierärztin oder ein Spezialist haben!

Kranke Hunde gehören nicht vor den Wagen, Sie legen sich mit Grippe auch lieber ins Bett statt im Büro zu sitzen.

Grundsätzlich gilt, bei Temperaturen über 22°C darf der Hund nicht mehr ziehen. An sonnigen Tagen ist der Hund vielleicht bei niedrigeren Temperaturen schon an seiner Grenze. An einem kühlen Frühsommermorgen mit leichtem Lüftchen hingegen trabt er fröhlich vor seinem Wagen. Eine Flasche Wasser und ein Napf für den Hund sollten immer an Bord des Wagens sein.

 

Die Ausrüstung

Sie brauchen nicht gleich ein Vermögen in die Ausrüstung zu investieren. Wenn Sie ein paar einfache Dinge beachten, können Sie und Ihr Hund Freude an der Zugarbeit haben.

Der Wagen sollte leichtgängig sein und muß vier Räder haben, einachsige Wagen sind ungeeignet. Wichtig ist, daß die Vorderräder nicht an den Seiten des Wagens anschlagen sondern sich darunter drehen können. Sonst werden Sie mit dem Gespann nur sehr große Kurven fahren können. Ein Bollerwagen auf seinen kleinen Rädern verlangt mehr dauerhafte Zugarbeit als ein Wagen auf größeren schmalen Rädern. Vergleichen Sie das Fahrgefühl eines BMX- oder Faltrades auf kleinen Rädern mit dem eines Stadtrades auf 26er oder 28er Rädern. Trotzdem spricht wenig gegen den Bollerwagen, der mit seinen 10-15kg keine große Last für den Hund darstellt. Passen Sie die Zuladung entsprechend an. Wenn Sie vom Zughundevirus befallen schließlich auch den Fuhrpark erweitern wollen, so bietet sich ein robuster Wagen mit größeren Rädern an. So ein großer Wagen wiegt zwischen 35 und 50kg, aber wenn er rollt, dann rollt er! Idealerweise ist er mit einer Bremse ausgerüstet, Bremsen mit einer Kurbel erlauben das Anbremsen des Wagens auf Gefällestrecken und entlasten so den Hund.

Wichtig ist für die Anspannung im Brustblattgeschirr (manchmal auch Sielengeschirr genannt) eine Schere mit beweglichem Ortscheit. Die Landen links und rechts des Hundes dienen zum Lenken des Wagens, gezogen wird über die Zugstränge, die am Ortscheit befestigt sind. Dabei wird die Bewegung des Hundes durch die bewegliche Aufhängung ausgeglichen. Die Schere erlaubt zugleich das Bremsen des Wagens, in Zusammenhang mit einem Hintergeschirr ohne das Brustblatt zu weit vorzuschieben. Beim Doppelspänner kommt eine Doppelwaage zum Einsatz: jeder Hund zieht an einem beweglichen Ortscheit, diese wiederum sind an einem ebenfalls beweglichen langen Ortscheit befestigt. So wird die Bewegung jedes Hundes ausgeglichen und zudem kann jeder Hund auch mal einen Schritt vorausgehen oder zurückbleiben. Zur Veranschaulichung gibt es in der Galerie am Ende der Seite beschriftete Fotos.

Das Geschirr muß gut sitzen und darf nirgends scheuern. Im Laufe seines Lebens entwickelt sich Ihr Hund weiter, daher sollten Sie auch immer mal wieder den Sitz des Geschirrs prüfen und wenn nötig anpassen. Im Rahmen eines Schnupperseminars mag Ihr Hund auch mal mit einem nicht optimal sitzenden Geschirr ziehen. Sobald der Hund aber regelmäßig ziehen soll ist ein passendes Geschirr unabdingbar.

Bedenken Sie auch, daß es viele Hunde gibt, die selbst bei mangelhafter Anspannung freudig ziehen – sie wollen einfach arbeiten. Wenn Sie unsicher sind, holen Sie sich Rat bei anderen Zughundlern.

 

Bitte nicht!

Gerade im Winter bei Schnee kommen viele auf die lustige Idee, ihren Hund einen Schlitten ziehen zu lassen. Hund, Kinder und Erwachsene haben einen Riesenspaß bei der Jagd durchs Schneegestöber… so lange, bis der Schlitten dem Hund in die Hacken fährt und ihn bestenfalls erschrickt, schlimmstenfalls schwer verletzt. Grundsätzlich gilt: jedes Zug“gefährt“ muß sich bremsen lassen. Füße sind keine Bremse. Ein Kind auf dem Schlitten wird die Situation sehr wahrscheinlich nicht richtig einschätzen können oder völlig im Spiel gefangen sein – mit schlimmen Folgen für den Hund. Eine Anspannung mittels Leinen ist nur dann für den Hund sicher, wenn das Gefährt von einer verantwortungsbewußten (erwachsenen) Person kontrolliert wird.

 

Der Einstieg

Viele Hundeschulen bieten Zughundeworkshops an. Diese sind häufig eher sportlich (Roller, Trike, Sacco-Cart) orientiert. Wagenziehen kommt oft nur nebenbei vor.

Speziell aufs Wagenziehen abgestimmte Seminare gibt es und sie sind nicht so schwer zu finden! Am Ende dieser Seite habe ich Adressen zusammengetragen. Nutzen Sie doch auch die sozialen Netzwerke und buchen Sie dann gemeinsam mit anderen ein eigenes Seminar. Oder sprechen Sie Zughundler in Ihrer Umgebung an, die meisten freuen sich, ihre Leidenschaft teilen zu können.

Achten Sie darauf, daß Ihr Hund sich wohlfühlt. Jeder Hund hat sein eigenes Tempo. Manch ein Hund zieht ab dem ersten Tag einen Wagen als hätte er nie etwas Anderes getan, ein anderer benötigt Zeit und sollte besser zunächst mit dem Ziehen eines Reifens beginnen.

 

Zughundewettbewerb

Eine Traditionsveranstaltung aus der Schweiz ist im Jahr 2016 in Deutschland wiederbelebt worden: der Zughundewettbewerb. Federführend war Marion Wigand von der Ortsgruppe Kaiserslautern-Rodenbach des Schweizer Sennenhund-Vereins. Mit der tatkräftigen Hilfe einer großen Anzahl Gleichgesinnter (es braucht wirklich viele helfende Hände!) hat sie eine wunderbare Veranstaltung auf die Beine gestellt. Gemeinsam mit Rasco war ich am Start, meinem Hund war die Freude an der abwechslungsreichen Geländestrecke mit verschiedenen Aufgaben deutlich anzumerken. Ich hatte einige Aha-Erlebnisse – zeigte mein Hund mir doch, was er alles kann, wenn man ihn nur läßt. Wir hoffen auf eine Wiederholung in 2017! Mehr zum Wettbewerb gibt es auf Marions Seite bei den Großen Schweizer Sennenhunden vom Steinrech.

 

Lesefutter

Diese Bücher beschäftigen sich mit dem Wagenziehen. Rund um den Zughundesport allgemein gibt es viele weitere Publikationen.

 

Preuß, Susanne: Der Zughund – einst und jetzt

2002, Kynos Verlag, ISBN 3-933228-42-5

 

Braun, Doris: Wagenziehen mit Hunden: Artgerechte Ausbildung und richtiges Training

2014, Oertel & Spörer, ISBN 978-3886278596

 

Adressen und Ansprechpartnerinnen

Sie möchten gemeinsam mit Ihrem Hund das Wagenziehen ausprobieren? Dann sind Sie hier richtig.

Bassum – Bassumer Hundetreff

Der Hundetreff bietet nicht nur Workshops zu festen Terminen an. Bei Interesse können Sie auch für sich und Ihren Hund oder in einer Gruppe Gleichgesinnter einen eigenen Termin buchen.

Ansprechpartnerin Verena Wilker

 

Kaiserslautern-Rodenbach – Ortsgruppe des SSV

Die Ortsgruppe KL-Rodenbach ist besonders rührig wenn es um Zughunde geht. An jedem 2. und 4. Sonntag im Monat findet auf dem Platz in Rodenbach ein Zughundetraining statt. Die Zughundegruppe nimmt jedes Jahr an mehreren Umzügen teil und führt auf Ausstellungen eine kleine Choreografie vor. Bei der jährlich stattfindenden Sennenhundeausstellung der Landesgruppe (LG-Schau Rheinland-Pfalz/ Saar) haben Sie Gelegenheit, die Zughunde in Aktion zu sehen und mit aktiven Zughundlern ins Gespräch zu kommen.

Im Rahmen diverser Veranstaltungen bietet Marion Wigand auch immer wieder ein Einsteigerseminar an. Die Heranführung des Hundes erfolgt behutsam und mit viel Ruhe.

Ansprechpartnerin Marion Wigand, Telefon 06371 58776